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The Transversal Shelf of Printed Books in Times of Accelerated Opaque Media

Raucous time capsules, rare jewels, and indispensable bulky goods from all epochs, languages, and genres.

As an eminent medium of slowness, printed books appear to some as the deadwood, to others as the driftwood, of the intellect, the finding and gathering of which not only fills the shelves. As the veritable bearers of latency they hold the possibility of tracking down—unobserved and at odds with the zeitgeist — what stimulates the senses and thought in unattained present or future long past. The best examples (often discarded from libraries around the world or barely known) shine from afar like messages in bottles on the banks of time. DIAPHANES seeks out the raucous time capsules, rare jewels, and indispensable bulky goods from all epochs, languages, and genres.

Human Oddities

Oliver Hendricks, 11.04.2017

 

Martin Monestier: Human Oddities. A Book of Nature's Anomalies
New York: Citadel Press 1987
transl. by Robert Campbell, 192 pages

 

Bearded Ladies, Dwarfs and Giants, Hermaphrodites, Siamese Twins (see Heng and Chang on the book cover), the Mule-headed Lady, The Serpent-Woman, The Amazing Half-Boy (famous for his appearance in Tod Browning's »Freaks«), The Man with the Rubber Skin and many more, as well as one picture and a story that haunted me most: Pasqual Pinon, The Two-Headed Mexican, who apparently had an extra head on his forehead that could open and close his eyes and his mouth, but was unable to speak (in Per Olov Enquist's novel »Downfall: A Love Story« she is called Maria). The book ends with a picture of a bareheaded young monk with a perfect ball on a pillow in his hands. »The future of humankind?« is the final question beneath this picture.

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HER

DJ Helioglobal, 11.04.2017

 

Andreas L. Hofbauer, René Luckhardt: HER
Wien: Der Konterfei 2015
limitierte Ausgabe, 50 Seiten

 

In einem Onlineforum, das sich mit dem Umzug ins 40 Lichtjahre von uns entfernte Planeten-system TRAPPIST-1 beschäftigt, antwortet mir kürzlich einer, als ich anmerke, dass es ohnehin egal sei, auf welchem fliegenden Steinhaufen man herumkrieche, mit einem Zitat: »Es gibt in den Parawissenschaften bisweilen merkwürdige Sommermorgen, da sollte der Leser, der nur als Gast hier verweilt, beizeiten hineinwandern in hermetische Räume und sprachlos vor Staunen an grün-goldnen Anamorphosen sich erfreuen. Nah ist fern und nichts als sattgrüne Trance.« Das hätte Herman Melville  geschrieben, in einem Brief an einen Freund und sich dabei auf ein Buch zweier alter Jungfern (oder Großmütter?) bezogen, die dem Kreis um B. P. Randolph nahe gestanden haben sollen. Ausgerechnet diesen Band über Hermetik, Raumüberbrückung, Magie der Lachenden Fenster und der Kunst verzerrter Vorahmung, hätten bei einem Wiener Subkultur-verlag zwei Typen dreist -plagiiert. Der Band sei vergriffen, gleichwohl der Verlag schon ein HER 2 ankündige. Kurz: Ich solle das mal lesen (besser noch das Original, dieses sei allerdings noch schwerer aufzutreiben) und dann ausprobieren, ob es nicht doch einen Unterschied mache, auf welchem Gestein man dahinschreitet. Ich habe mir das Buch beschafft und es gelesen.

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How to Pilot an Aeroplane

Luc Meresma, 11.04.2017

American English

Hendrik Rohlf, 11.04.2017

 

Richard Prince: American English
Sadie Coles HQ/Verlag der Buchhandlung Walther König: London/Köln, 2003
Limited Edition, ohne Paginierung

 

Das Foto mit der Frau auf dem Fahrrad wiederholt sich auf der Rückseite. Etwas ist anders, der Mund geschlossen, der Bildausschnitt leicht nach links verrückt. »American English«: Als Tableaus inszenierte und fotografierte Erstausgaben aus der Sammlung von Richard Prince, jeweils eine englische und eine amerikanische: J.G. Ballards, »High-Rise«, Jim Thompson, «The Killer Inside Me« (Lieblingsbücher von mir, weshalb ich das Buch unbedingt haben wollte, um jetzt zu bemerken, dass Philip K. Dick nicht dabei ist, obwohl ich mir dessen so ­sicher war) und Bücher von Kerouac, John Lennon, William Gibson u.a. Richard Prince schreibt im Vorwort: »I don't see fancied interest, I don’t see hobby or appreciation, I don't see exhibition or connoisseurship. The thing is, I don't see these things on my shelf. I just stare at them. They are there everyday. They change me.«

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China frisst Menschen

Damian Christinger, 11.04.2017

 

Richard Huelsenbeck: China frisst Menschen
Orell Füssli Verlag: Zürich/Leipzig, 1930
Erstausgabe, 352 Seiten

 

Richard Huelsenbeck, Mitbegründer und Drummer des Dadaismus in Zürich, kehrte in den 1920er Jahren den Querelen der künstlerischen Avantgarden den Rücken, um als Schiffsarzt anzuheuern und die Welt zu bereisen. China war für ihn eine Offenbarung. »China frisst Menschen« ist ein erstaunlicher Roman, wider seine Zeit geschrieben, in der im Westlichen Mainstream von der »Gelben Gefahr« die Rede ist. Huelsenbecks aufklärerischer Roman, verortet China als Spielball der Westlichen Mächte, als einen gnadenlosen Ort zwischen den Imperien, in dem das gesamte Personal des Buches, ob Deutscher oder Chinese, am Schluss scheitert und von der Geschichte verspiessen wird. Das Fazit des Buches ist so einfach wie nüchtern – Huelsenbeck beschreibt den Hafen von Shanghai so: »Auf den Bänken träumen mit hochgezogenen Knien einige Bettler, Strandläufer, Chinesen und Europäer. Der Hunger hat die Unterschiede der Rassen ausgelöscht.«

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