Claudia Aradau, Daniel van der Velden:
"The imaginary of catastrophe is actually incorporated more and more into the evereyday"
(p. 148 – 156)

Claudia Aradau, Daniel van der Velden

"The imaginary of catastrophe is actually incorporated more and more into the evereyday"

PDF, 9 pages

Damian Christinger

Liebe Monica, du arbeitest als Künstlerin, Forscherin und Dozentin auch am IUNR, dem Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. In deiner letzten, größeren skulpturalen Arbeit »Non Grata« sowie durch deine Beschäftigung am IUNR, bin ich immer wieder über den Begriff der »Neophyten« gestolpert. Was sind Neophyten?

Monica Ursina Jäger

Neophyten nennen wir Pflanzen, die nach 1492, also der sogenannten »Entdeckung« Amerikas durch Christoph Kolumbus, in Europa eingewandert sind. Die invasiven Neophyten sind immer dann bei uns ein Thema, wenn sie andere Pflanzen verdrängen und ökologischen Schaden anrichten.


DC

Die Arbeit »Non Grata« schützt eine Gruppe junger Buchen auf einem Sockel mit einer gartenpavillonähnlichen Struktur, die allerdings aus Elementen gebaut wurde, wie sie die Mauern von schützenswerten Einrichtungen bewehren und die rasiermesserscharf sind. Die Buchen sollen also vor Neophyten, eingewanderten und einwandernden Pflanzen, geschützt werden?


MUJ

»Non Grata« bezieht sich natürlich auf den diplomatisch-politischen Begriff der Persona non grata, also auf die »nicht erwünschte Person«. Einerseits werden die Buchen wohl mittelfristig verdrängt werden, andererseits hatten sie im Neolithikum wiederum, die »ältereingesessenen« Eichen zurückgedrängt. Ohnehin ist die größte Bedrohung für die Wälder – also auch die Buchenwälder – der Mensch. Durch den Klimawandel werden sich zum Beispiel die Wälder in der Schweiz grundlegend verändern. Wir sitzen hier im Zug von Chur nach Zürich und schauen auf die Winterlandschaft, die an uns vorbeizieht. Das Weiß des Schnees kontrastiert mit den braunen Grundtönen der umliegenden Wälder. Einige immergrüne Nadelbäume und der Efeu setzen farbliche Gegenakzente. Wenn mein Sohn, der heute in den Kindergarten geht, mit seinem Enkel die gleiche Strecke befahren wird, werden die Wälder im Winter grün sein. So zumindest prognostizieren es die Forscher an der ETH Zürich. Den Buchen wird es bald zu warm werden und sie werden sich langsam in Richtung Norden zurückziehen. Sie werden dann wieder von Eichen ersetzt werden.


DC

Von denselben Eichen, die von den Buchen nach der Eiszeit, verdrängt worden sind?

MUJ

Nein, von Steineichen, wie sie heute im Süden zu finden sind, also von immergrünen Eichen. Stell dir einen Wald auf Kreta vor, so wird es wohl bei uns noch in diesem Jahrhundert aussehen.


DC

Die »Einheimischen« werden also von »Zuwanderern« aus dem Süden ersetzt?


MUJ

Ich höre bereits an...

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Kerstin Stakemeier (éd.), Susanne Witzgall (éd.): The Present of the Future

The current outlook into the future seems to be largely informed by resignation and anxiety. The understandable scepticism which utopian visions of the future are met with today and the crisis ridden present give rise to nostalgic resorts to seemingly reliable ideas. The book The Present of the Future investigates our present relation to the future and asks which means and strategies artists and scholars pursue today, to gain a new scope of action for shaping alternative futures. How do they create potentials for change and for the imagination of possible futures beyond modernistic idealisms and romanticist projections into remote times? The Present of the Future is the result of the third annual theme of the cx centre for interdisciplinary studies at the Academy of Fine Arts Munich.

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