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Jean-Luc Nancy: Theater als Kunst des Bezugs, 1
Theater als Kunst des Bezugs, 1
(p. 91 – 100)

Jean-Luc Nancy

Theater als Kunst des Bezugs, 1

PDF, 10 pages

Das Theater behandelte seit jeher in der einen oder anderen Weise den Tod als Bedingung, nicht als möglichen Unfall und noch weniger als Unfall in Bezug auf ein anderes Leben. Deswegen kann man sagen, dass das Theater absolut nicht-christlich ist. Wegen dieses tragischen Kerns, der der Kern des Mythos ist und der jeden Gedanken an eine Rettung verbietet, ist es kein Zufall, dass es eine so starke Entgegensetzung des Christentums zum Theater gab. Es geht um einen Bezug, der nicht zu sich zurück kommt. Im Theater gibt es die Ausstellung des Bezugs als solchen und diese Ausstellung beinhaltet notwendig (auch wenn das nicht unbedingt in der erzählten Geschichte stattfindet) einen Bezug zum Ende des Bezugs, das heißt zum Tod.

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Jean-Luc Nancy

Jean-Luc Nancy

is one of the most influential contemporary thinkers. He taught Philosophy at the Université Marc Bloch, Strasbourg and was visiting professor with the universities of Berkeley, Irvine, San Diego and Berlin until he recently retired from his professorship. His work has been acknowledged and praised by academics and the wider international public alike. It comprises a variety of research focuses reaching from the ontology of society to the metamorphosis of reason and the arts, on image studies, and even on political and religious aspects with respect to ongoing developments. In his most recent texts he focuses on the deconstruction of monotheism.

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Das Ende der Geschichtsteleologie wird als Voraussetzung einer Reflexion über die gegenwärtigen Künste begriffen. Jedoch bleiben gerade diejenigen ästhetischen und theaterwissenschaftlichen Diskurse, die in den neuen Kunstformen eine Überwindung der Tradition sehen, teleologisch. Vielleicht ist aber dieses Ende, das wir erleben, nicht als Überwindung, Bruch, Sprengung oder Verabschiedung zu verstehen, sondern – so eine Formulierung von Jean-Luc Nancy – als Mutation unseres Bezugs zu unseren Zwecken. Das vorliegende Buch diskutiert diesen Ansatz angesichts des Verhältnisses von Kunst und Politik, der Entwicklung der Technologie und der gegenwärtigen Finanzökonomie. Es stellt die Frage, was diese Mutation für die Analyse der Theatergeschichte und der Theaterpraxis bedeutet.